Depesche Nr. 9 / Jahrgang 2021

Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 8 Ausgabe Nr. 9, Jahrgang 2021 Von Hansjörg Fehrenbach Carl Friedrich Kaiser (1890- 1978), ein bekannter Villinger Dekorationsmaler, wirkte im 20. Jahrhundert jahrzehnte- lang hauptsächlich in Villin- gen. In jungen Jahren waren seine Arbeitsgebiete auch in Nürnberg, München, Inns- bruck und Zürich. Seine be- ruflichen Kenntnisse erweiter- te er durch Studienreisen in Italien, Österreich und Frank- reich. Das Wesentliche seines künstlerischen Schaffens wa- ren Motive aus seiner Heimat- stadt und deren Umgebung. Als Dekorationsmaler entwarf Carl Friedrich Kaiser wunderbare Ehrenurkunden, unter anderem auch den Zeitungskopf für die Fastnachtszeitung der Narro­ zunft, der Katzenmusik und der Glonkigilde, diese werden auch heute noch, teilweise 90 Jahre nach ihrer Ersterscheinung, un­ verändert verwendet. Als Wei­ teres schuf er Kulissen, Vereins­ fahnen, Plakatentwürfe vielfach für Fastnachtsvereine, aber auch für die Stadtgemeinde und Pri­ vatpersonen. Dabei fand er be­ sonders gefallen an den freien Motiven der Katzenmusik wobei er seiner künstlerischen Fantasie freien Lauf lassen konnte. Mehrfach führte er auch Wand­ malereien in Villinger Bürger­ häusern aus. Ein noch vorhan­ denes Beispiel gibt es in einem schönen historischen Haus, er­ baut 1630, in der Villinger Ger­ berstrasse. Über drei Stockwerke sind im Treppenhaus verschie­ dene Motive entstanden. Auf dem Gipsputz der Wandflächen malte Carl Friedrich Kaiser in freier Technik mit Mineralfarben ein schön gestaltetes und ge­ schichtlich erforschtes Familien­ wappen des Haus­ besitzers, sowie das bekann­ te Villinger Wappen mit rotem Adler und Helmzier aus dem Jahre 1530 (Bild 2). Im Stockwerk darüber be­ findet sich eine allegorische Dar­ stellung „Aus al­ ter Zeit“ - wie es Carl Friedrich Kaiser genannt hat (Bild 3). Im Mittelpunkt des Gemäldes be­ findet sich der Marktbrunnen auf dem zentra­ len Platz in der Stadtmitte mit Blick in die Rietstraße, im Hin­ tergrund das Riettor. Der Brun­ nen wurde 1873 im Zuge der Stadtsanierung abgebrochen, da er dem Verkehr im Wege war. Links und rechts sind im Bild zwei Personen der 1949 wieder gegründeten Trachten­ gruppe als Abteilung der His­ torischen Bürgerwehr Villingen dargestellt. Links, vom Be­ trachter aus gesehen, die Frauentracht. Eine Alt-Villingerin, mit einer goldenen Rad­ haube, Kleid, Schul­ tertuch und sei­ dener Schürze. Rechts die Män­ nertracht, mit Frack, langer Hose und Zy­ linder, dazu eine goldfarbene Weste. Es ist die Kleidung der Herren in der Biedermeier Zeit 1815-1850. In die gleiche Zeit kann auch die Dar­ stellung im 2. Ober­ geschoß eingeordnet werden (Bild 4). Eine Ansicht der Stadt Villingen von Osten gesehen. Im Vordergrund die Bickebo­ genbrücke über die Brigach aus Sandsteinen erbaut, auch sie wurde im Jahre 1877 abge­ brochen und durch eine bo­ genförmige Stahlkonstruktions­ brücke ersetzt. Deutlich ist auch der doppelte Mauerring, der zur besseren Verteidigung im Angriffsfalle um die Stadt Vil­ lingen bereits im 13. Jahrhun­ dert gebaut wurde. Die Zeit der „Entmauerung“ hatte bereits begonnen, große Teile der äu­ ßeren Mauer wurden bereits abgebaut. Glücklicherweise hat man sich in der zweiten Hälf­ te des 19. Jahrhunderts anders entschieden und so konnten noch wesentliche Teile der inne­ ren Stadtmauer, die Wehr- und Wachtürme, sowie 3 Stadtto­ re erhalten werden. Was heute Schöne Allegorien “Aus alter Zeit” Bild 1: Carl Friedrich Kaiser 1965 mit Enkeltochter Praxedis Neukum Bild 2: Villinger Wappen von 1530

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