Depesche Nr. 10 / Jahrgang 2022
Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 8 Ausgabe Nr. 10, Jahrgang 2022 Von Hansjörg Fehrenbach Ende des 11. Jahrhunderts wurde die frühmittelalterli- che Siedlung im Bereich der Altstadtquelle, der Marktort Filigum, aufgegeben. Die Her- zöge von Zähringen gründe- ten um 1120 am rechten Ufer der Brigach eine neue Stadt. Es wurde ein besonders groß- artiges und einheitliches Bei- spiel einer Stadtanlage des frühen 12. Jahrhunderts. Be- reits Anfang des 13. Jahrhun- derts wurde mit dem Bau einer Mauer zur Befestigung und gleichzeitig zur Verteidigung im Angriffsfalle um die eiför- mige Neugründung begonnen. Eine Stadtmauer ist für Histori- ker ein eindeutiges Kriterium für eine Stadt, die sie von einer länd- lichen Siedlung, einem Dorf, un- terscheidet. Nach dem Ausster- ben des Zähringergeschlechts wurde die neue Stadt Villingen 1283 durch König Rudolf I. an die Fürstenberger als erbliches Reichslehen übergeben. Die Anlage der Stadt war weit- gehend fertiggestellt. Sie wurde aufgeteilt durch 2 große Markt- straßen mit einer beachtlichen Breite von 16-20 Meter, die ein Achsenkreuz in Ost-West und Nord-Süd Richtung bildeten. An den Schnittpunkten der Achsen mit der Stadtmauer wurden die 4 Stadttore errichtet, die den Zugang zur Stadt ermöglichten. Weitere Wehr- und Wachtürme wurden in die Stadtmauer einge- fügt. 1284 gaben die neuen Stadther- ren, die Grafen von Fürstenberg, der Stadt eine Verfassungsur- kunde. Das bedeutete, dass die Einwohner der Stadt einen Rat bestellen konnten, indem die Handwerkszünfte eine wesentli- che Rolle spielten. Im selben Jahr gab man sich ein neues Stadtsie- gel mit der Umschrift: SIGILLUM CIVIUMVILLE VILIGEN (Siegel der Bürgerschaft der Stadt Villingen). Zehn Jahre später anno 1294 wurde von dem Rat der Stadt eine erste Auszugsordnung auf- gestellt. Darin wurde festgelegt wie sich die Bürger der Stadt bei einem Angriff zu verhalten ha- ben. Bereits 1325 kam die Stadt Vil- lingen durch Verkauf zum Habs- burger Reich und gehört bis zum Übergang an das Großherzog- tum Baden 1806 zu Vorderös- terreich. Bildquellen der Stadt Villingen mit Stadtmauer, den Tortürmen und Wach- und Wehr- türmen gibt es erst seit dem 16. bzw.17. Jahrhundert. Ein imposantes Bauwerk am in- neren Mauerring ist der mächti- ge Wehrturm auf der Westseite der Stadt, der Romäusturm. Be- nannt nach dem Villinger Lokal- Die ehemaligen Verteidigungs- anlagen der Stadt Villingen Bild 2: Federzeichnung der Stadt Villingen um 1680 aus Ulrich Rodenwaldt: Leben im alten Villingen Bild 1: Stadtsiegel von 1284 aus Paul Revellio: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen
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