Depesche Nr. 6 / Jahrgang 2017

Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 16 Ausgabe Nr.6, Jahrgang 2017 charakteristischem Turban auf - Magie und Orientalis­ mus gingen Hand in Hand, weil beides der Welt des Fremden angehörte. Apropos fremd: Neben den europäischen Waffen finden sich auch aus­ gesprochen exotische Objekte, die zum Teil von ih­ ren Samm­ lern selbst nicht als solche erkannt wurden. Eine "Saufeder mit Kugelgriff" aus der Sammlung Bichweiler entpuppt sich etwa als indischer Wurfspeer. Ein Schwert, das auf den ersten Blick wie ein europäisches Ritterschwert aussieht, ist in Wahrheit ein "Takouba" der Tuareg aus Westafrika. Be­ sonders faszinierend ist ein Morgenstern, dessen eiserner Kopf in Form eines Gesichts mit zwei Hörnern gestaltet ist. Es handelt sich dabei um eine indo-persische Zeremo­ nialkeule (Gorz) der Qajar- Dynastie. Der Gehörnte stellt einen Div dar, ein Ungeheuer aus der persischen Mytholo­ gie. Vermutlich erinnert die Darstellung an eine Erzäh­ lung aus dem "Königsbuch" Sch ā hn ā me, in der der Held Rostam den Anführer der Divs tötet und sein Haupt als Trophäe erbeutet. Mythen, Fälschun­ gen, Geheimnisse: Die Blankwaffen in den Sammlungen der städtischen Museen haben mehr zu erzählen, als ihre martia­ lischen Erschei­ nungen glauben lassen. Es lohnt sich, ihren Ge­ schichten zu lauschen. Über den Autor Peter Graßmann Studium der Europäischen und Ostasiatischen Kunst­ geschichte in Heidelberg, seit 2013 bei den Städtischen Mu­ seen Villingen-Schwenningen, seit 2014 als wissenschaftli­ cher Mitarbeiter. Degen mit "falscher Jahreszahl" 1414 in der Dauerausstellung Stadtgeschichte bis 1800, Franziskanermu­ seum, Foto: Städtische Museen VS Gorz, indopersische Keule mit als Ungeheuer ver­ ziertem Kopf aus der Sammlung Bichweiler Foto: Städtische Museen VS

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