Depesche Nr. 6 / Jahrgang 2017

Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 15 Ausgabe Nr. 6, Jahrgang 2017 Revolutionsunruhen des 19. Jahrhunderts gefertigt wurden. Man hatte keine eigenen Waffen, also baute man das Werkzeug um, mit dem man täglich umging. Zu den rein von ihren Ausma­ ßen eindrucksvollsten Stangenwaffen zählt ein Knebelspieß aus der Zeit um 1500, ein wuchtiges Gerät mit einer Klingenlänge von 60 cm. Offenbar war eine der Schaft­ federn, die die Klinge fixieren sollten, einst gebrochen und wurde notdürftig mit Eisen geflickt. Ihre späteren Sammler gingen noch weniger glimpflich mit der Waffe um. Zur besseren Aufbewah­ rung wurde der Schaft kurzerhand abgesägt - ein Schicksal, das andere Stangenwaffen teilten. In ihrer vollen Pracht zeigen sich hingegen bis heute die Hellebarden des 16. und 17. Jahrhunderts, gefürchtete Kriegsge­ räte der Infanterie, mit denen sowohl gesto­ chen, als auch gehau­ en werden konnte. Doch Vorsicht: Nicht alle Hellebarden sind wirklich so alt, wie sie vorgeben zu sein. So ist inzwischen be­ kannt, dass die angeb­ liche "Romäus-Helle­ bard", die Fidel Hirt in die Altertümersamm­ lung einbrachte, nichts mit dem legendären Helden zu tun hat. Ihr plumper Stil macht sie für den Kampf­ gebrauch untauglich, und vermutlich wurde sie erst im späten 19. Jahrhundert, vielleicht als bewusste Fäl­ schung, geschaffen. Vorsicht ist auch bei manchen Inschriften gefragt. Stammt einer der Degen, die in der Dauerausstellung zu den Belagerungen der Barockzeit zu sehen sind, wirklich aus dem Jahr 1414, wie seine Klinge glauben lassen will? Die Zahl findet sich auf mindestens zwei weiteren Waffen aus dem Depot. Keine von ihnen wurde in dieser Zeit gefertigt, sie datieren alle aus späteren Jahrhunder­ ten. Dasselbe gilt für einen Hirschfänger mit der Zahl "1513" und einen Degen mit der Zahl "1507". Wel­ che Bedeutung hinter solchen "falschen Da­ tierungen" steckt, ist nicht restlos geklärt, doch stehen sie wohl wenigstens zum Teil mit der Kabbala, einer mystischen Strömung des Judentums, in Zusammenhang. Bei anderen Zahlen wird vermutet, dass sie auf historische Daten verweisen, deren Be­ deutungen uns heute nicht mehr geläufig sind. In die Reihe der "magi­ schen Waffen" gehört auch eine Talisman­ klinge mit merkwür­ digen Zeichen, die vermutlich eine ast­ rologische Bedeutung besaßen und ihren Träger vor Unheil schützen sollten. Zwi­ schen den Symbolen taucht plötzlich der Kopf eines Türken mit viel zu erzählen. Links eine Hellebarde. Vom Feindbid zum dtische Museen VS

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