Depesche Nr. 7 / Jahrgang 2018

Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 9 Ausgabe Nr. 7, Jahrgang 2018 Osmanen bei der Einnahme von Temesvár, ein Jahr später die mythologisch verbrämte Ge- schichte des venezianisch-öster- reichischen Türkenkrieges (1714- 18) unter dem klangvollen Titel "Victoriosa Austria. Oder: Das sighaffte Oestreich“. Der Krieg war am 21. Juli 1718 durch den Friedensvertrag von Passarowitz beendet worden – nur wenige Wochen vor den Aufführungen des Stücks am 30. August und 1. September. Mit der russischen Südexpan- sion seit dem 18. Jahrhundert schwand die "Türkengefahr“ als unmittelbare Bedrohung, doch die Erinnerung an die Fremden verblasste nie ganz. Sie wurde Teil des kollektiven Gedächtnis- ses und des kulturellen Erbes. Ein Schlittenkopf in Form eines Türken mit Turban und Schnurr- bart aus der Spiegelhalder- Sammlung dokumentiert, wie das Türkenmotiv allmählich in die Volkskunst einging, wo es bis ins frühe 20. Jahrhundert präsent blieb (Abb. 6). Wenn Alterität eine Grundvor- aussetzung für die Entstehung von Identität ist, dann dürfen die turbulenten Ereignisse der Türkenkriege in ihrer identitäts- stiftenden Wirkung nicht un- terschätzt werden – für Europa, Österreich und vielleicht auch für Villingen. Über den Autor Peter Graßmann Studium der Europäischen und Ostasiatischen Kunstge- schichte in Heidelberg, seit 2013 bei den Städtischen Mu- seen Villingen-Schwenningen, seit 2017 als wissenschaftli- cher Mitarbeiter. Abb. 6: Schlittenkopf in Gestalt eines Türken aus der Schwarzwaldsammlung, 18. Jahrhundert, Franziskanermuseum Abb. 5: Titelseite des Schauspiels “Irene”, 1711

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