Depesche Nr. 7 / Jahrgang 2018
Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 8 Ausgabe Nr.7, Jahrgang 2018 Konstanzer Bischofs, der die Steuer der Geistlichen einziehen wollte, setzten sich die Villinger und Breisgauer mit ihrem Anlie- gen durch und erreichten eine Senkung auf 2 Gulden. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Steuer als "Reichs- türkenhilfe“ mit unterschiedlich festgelegten Beträgen immer wieder erneuert. Was man bis dahin nur aus diffusen Fantasien und Berichten kannte, konnten viele Villinger im Jahre 1646 erstmals selbst in Au- genschein nehmen: Einen echten Muslim. Der Benediktinerabt Michael Gaisser vermerkte in sei- nem Tagebuch, dass am 1. Mai im Villinger Münster "ein Soldat, der von Nation und bisheriger Religion ein Türke war“ auf den Namen Johann Antonius getauft wurde. Solche "Türkentaufen“ sind in zahlreichen Fällen im 16. und 17. Jahrhundert belegt. Betroffen waren meist Kriegs- gefangene, die zum Übertritt zum Christentum gezwungen, dann aber unterschiedslos in die Gesellschaft integriert wurden. Über das weitere Schicksal des Johann Antonius ist daher nichts bekannt, auch nicht über eventu- elle Anpassungsschwierigkeiten nach der erzwungenen Aufgabe der kulturellen und religiösen Identität. Die Villinger eilen zur Rettung Als die Osmanen unter dem Großwesir Kara Mustafa im Jahre 1683 nach Wien zurückkehrten und die Stadt zum zweiten Mal unter Beschuss nahmen, rissen alte Wunden wieder auf – die Türkengefahr war zurückgekehrt! Hoffnung bestand nur noch im Entsatz, d.h. der Befreiung der Hauptstadt durch äußeren Beistand. Auch Villinger Soldaten sollten sich an der heldenhaften Rettung Wiens beteiligen. Die Villinger Fahnen, unter denen sich auch Wehrpflichtige aus Triberg und Bräunlingen befan- den, schlossen sich im Septem- ber dem im Breisgau gebildeten Landsturm an und marschierten Richtung Osten. Sie waren schon bis Ulm gekommen und hatten sich zum Einschiffen auf der Donau bereitgemacht, als sie die Nachricht von der Befreiung Wiens erreichte. Eine direkte Konfrontation der Villinger mit dem teils gefürchteten, teils verachteten, teils bewunderten türkischen Heer blieb somit zu- nächst aus. Dafür blieben sie in der Fantasie der Bevölkerung präsent. Am 1. und 3. September 1710 führten Schüler des Gymnasiums der Franziskaner das Schauspiel "Ire- ne“ auf, in dem die titelgebende griechische Christin zum Opfer des wollüstigen und blutrünsti- gen türkischen Kaisers Mehmet II. wird (Abb. 5). "Mein wahre Freüd und Freyheit war das freye Christen Leben; Jetzt muß‘ in tausend Lastern G‘fahr under den Türcken schwe- ben“, klagt die Protagonistin in der offenbar sehr erfolgreichen Tragödie des Rhetoriklehrers Alexander Herth, die 1711 im Druck erschien. 1717 folgte ein Stück über den Sieg des Prinzen Eugen von Savoyen über die Abb. 4: Wappenscheibe des Georg Kechler von Schwandorf, Franziskanermuseum
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