Depesche Nr. 9 / Jahrgang 2021
Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 14 Ausgabe Nr. 9, Jahrgang 2021 Interview Neue Schneiderin für die Bürgerwehr Von Volker Nofz Hallo Frau Stork, wir als His- torische Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen e.V. freuen uns sehr, dass wir Sie kennenlernen durf- ten. Es war unwahrscheinlich schwierig, eine gute Schnei- derin oder einen Schneider zu finden, der uns unsere Wünsche nach historisch getreuen Militär- und Zivil- bekleidung erfüllen konnte. Umso glücklicher sind wir, Sie gefunden zu haben. Um Sie und Ihre Arbeit besser kennenzulernen und die Be- weggründe zu erfahren, wie man zu solch einem selten Beruf kommt, würden wir Ihnen gerne ein paar Fragen stellen. Wenn Sie sich doch kurz vor- stellen könnten? Mein Name ist Angela Stork, bin 39 Jahre alt, habe eine Ausbildung als staatlich aner kannte Modedesignerin und Damenschneiderin und ar beite und wohne in Bretten- Neibsheim. Warum sind sie Schneiderin geworden? Für mich war immer schon klar, dass ich einen Beruf ausüben wollte, in dem ich mich hand werklich und künstlerisch be tätigen kann. Nachdem ich in meiner Schulzeit in verschie denen Berufen durch Prakti ka “reinschnuppern” konnte, habe ich mich letztendlich für die Modebranche entschieden. Wie lange machen Sie Ihren Beruf schon? 2001 habe ich meine Ausbil dung als staatlich anerkann te Modedesignerin an der Balthasar-Neumann-Schule in Bruchsal abgeschlossen. Direkt im Anschluss hat sich für mich die Gelegenheit ergeben, noch eine Lehre als Damenschnei derin in einem Betrieb zu be ginnen, der sich auf historische Bekleidung spezialisiert hat, die ich 2003 erfolgreich abge schlossen habe. Danach war ich in einem Münchner Start Up Unternehmen für Sportbe kleidung als Abteilungsleiterin der Schneiderei tätig, bis ich mich 2011 selbständig machte. Wie sind Sie auf Uniformen bzw. auf die Historische Schneiderei gekommen? Das hat sich letztendlich durch Zufall ergeben. Ursprünglich wollte ich nach meiner Aus bildung gerne direkt an einem Theater oder Betrieb für Kos tüme arbeiten. Da ich zum da maligen Zeitpunkt aber leider keine Arbeit in diesem Bereich gefunden habe, hatte ich letzt endlich die Anstellung in Mün chen angenommen, aber das Schneidern von historischer Bekleidung nie ganz aus den Augen verloren. Und als ich mich dann beruflich neu ori entieren wollte, habe ich den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und mich auf histori sche Kleidung spezialisiert. Was ist das Besondere an ei- ner Uniform-Schneiderei? Durch die vielfältigen Anfra gen zu unterschiedlichen Uni formen ist die Arbeit sehr ab wechslungsreich. Was aber auch bedeutet, dass man ne ben handwerklichem Geschick auch schon mal viel Recher chearbeit hat, weil es nicht immer einfach ist, für alle An fragen direkt die richtigen In formationen zu bekommen, um dann die Kleidung auch nach den historischen Vorbil dern richtig anzufertigen. Ist Ihr Beruf auch gleichzei- tig ein Hobby von Ihnen? Ich interessiere mich stark für geschichtliche Darstellung und bin privat aktiv in verschie denen historischen Gruppen, dadurch überschneiden und ergänzen sich aber zum Teil Hobby und Beruf. Ab und an ist dieser Spagat schon etwas anstrengend, vor allem wenn man eigentlich privat bei einer Veranstaltung ist, dann aber Bild: Angela Stork
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