Depesche Nr. 10 / Jahrgang 2022
Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 12 Ausgabe Nr. 10, Jahrgang 2022 Alte Handwerkskunst am Leben erhalten Von Ingrid Beck In diesem Jahr sind es nun 20 Jahre, dass sich einmal im Mo- nat am Samstagnachmittag ein paar Frauen im Vereinsheim der Hist. Bürgerwehr- und Trachtengruppe zum Handar- beitsnachmittag treffen - Jutta Grothaus, Ingrid Wöhrle und Ingrid Beck sind sogar bereits von Anfang an mit dabei. In gemütlicher Runde werden Trachten und Uniformen er- gänzt oder ausgebessert, es werden Hauben restauriert oder auch neu hergestellt, Schultertücher gefranst, Trach- tentäschle bestickt und Schür- zen genäht für die Villinger Tracht. Alle Damen lieben ihr Hobby und sind voller Begeis- terung am Werk. Für die Restaurierung von alten Spitzen und Hauben ist Jutta Grothaus die absolute „Fach- frau“. Die komplizierte Hand- werkskunst der Klöppel- wie auch Hohlspitztechnik erlernte sie in über 10-jähriger Ausbil- dung und gibt diese in Kursen gerne weiter. Die Hohlspitze ist eine haupt- sächlich aus feinen, flach- gewalzten Metalldrähten – belegt mit Gold oder Silber – gefertigte Spitze. Die Vorlagen sind Unikate, die Herstellung ist äußerst langwierig und da- her sehr kostspielig. Beim Klöppeln werden Fäden (für Hauben auch Metallfäden) im systematischen Wechsel durch Verdrehen – Verkreu- zen – Verknüpfen – Verschlin- gen miteinander verbunden. Grundlage für jede Handklöp- pelspitze ist der Klöppelbrief. Alte, erhaltenswerte Spitzen löst Jutta Grothaus mit viel Fingerspitzengefühl von den Haubengestellen. „Die Hau- ben stammen oft aus der Mitte des 20. Jahrhunderts“, erklärt sie. „Die Haubengestelle sind meistens nicht mehr tragbar und auch das „Bödele“ sowie das Schleifenband müssen er- setzt werden. Aber die Spitzen versuchen wir zu erhalten“. Nach einer speziellen Reini- gung und Aufarbeitung wer- den die Spitzen auf neue Gestelle aufgebracht. Kom- plettiert durch das neue Bö- dele und das Schleifenband entstehen so wunderschöne Hauben, die Altes und Neues auf die beste Art und Weise miteinander vereinen. Die Älteste in der Runde ist Erika Copitzky mit 85 Jahren. „Ich bin eine „Spätberufene“, schmunzelt sie. Erst vor 13 Jah- ren hat sie einen Kurs bei Jut- ta Grothaus belegt und so das Klöppeln erlernt. Zwischenzeit- lich hat sie es zur wahren Meis- terschaft gebracht und bereits mehrere Hauben für sich und ihre Familie hergestellt. Jutta Grothaus Bild: Ingrid Wöhrle Erika Copitzky übergibt eine Radhaube an Karl-Heinz-Schwert Bild: Ingrid Beck
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