Depesche Nr. 10 / Jahrgang 2022

Depesche Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen 21 Ausgabe Nr. 10, Jahrgang 2022 das Bauwerk parallel zum Un- teren Dammweg und wird heu- te hauptsächlich von Kleingar- tenanlagen überprägt. Wem die historische Bedeutung des Ortes nicht bewusst war, dem fiel dieses fast 400 Jahre alte Relikt bisher wohl kaum ins Auge. Das soll sich ändern: Eine Hinweistafel klärt seit diesem Jahr über Geschichte und Bedeutung des Bauwerks auf, das sich nun auch über einen Treppenweg auf einen Aussichtspunkt mit Sitzgele- genheit besteigen lässt. Die Initiative für das von der Spar- kasse finanzierte Projekt ging von der Wirtschaft und Touris- mus Villingen-Schwenningen GmbH aus, die auch die Kon- zeption, Koordination und Ge- staltung der Tafel übernahm. Texte und Bilder lieferten das Franziskanermuseum und das Landesamt für Denkmalpflege, geschaffen wurde die Anlage vom städtischen Grünflächen- und Tiefbauamt. Auch wenn das Denkmal sicher nicht spektakulär anzusehen ist, besitzt es doch überregi- onale Bedeutung, denn ver- gleichbare Festungsbauten ha- ben höchsten Seltenheitswert. Ein ganz ähnlicher Schweden- damm, der den Villinger Bela- gerern vielleicht als Inspiration diente, wurde 1627 in Wolfen- büttel errichtet. Dessen Reste sind aber nicht mehr zu sehen, denn sie wurden 1924 besei- tigt, weshalb die am einstigen Standort angebrachte Infor- mationstafel ohne sichtba- re Geländereste auskommen muss. Da entpuppt sich das Villinger Beispiel doch als ech- ter Glücksfall. Für die Zähringerstadt ging die 16 Tage dauernde Bela- gerung übrigens glimpflich aus: Nachdem die Schweden und ihre Verbündeten bei der Schlacht von Nördlingen am 6. September eine vollständige Niederlage erlitten hatten, be- fahl der Herzog den Rückzug. Zu diesem Zeitpunkt war das Wasser bereits bis zur heuti- gen Schlachthausstraße vor- gedrungen. Dass es bereits die Innenstadt erreicht hatte, ist je- doch ein Mythos. Der Wall war zu niedrig und hätte die Stadt nicht überfluten können. Auch die Sage, wonach ein Straf- gefangener den Damm mit einem Fässchen Quecksilber zum Einsturz brachte und da- für begnadigt wurde, hört sich zwar schön an, entbehrt aber jeder historischen Grundlage. Solche Erzählungen zeigen immerhin, wie präsent das Er- eignis im kollektiven Bewusst- sein blieb. Es fand sogar Er- wähnung in Grimmelshausens Simplicissimus („Diese Worte setzten meine Augen ins Was- ser, wie hiebevor des Feindes Erfindung die Stadt Villingen“) und wurde 1934, anlässlich des 300-jährigen Jubiläums, durch einen großen Festumzug ge- feiert. Seither sind immer wie- der wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht worden, die sich mit dem merkwürdigen Bau- werk auseinandersetzten. Viel- leicht bietet sich im Jahr 2034 erneut Gelegenheit, an das damalige Kriegsglück zu erin- nern? Dass es nicht in Verges- senheit gerät, dafür wurde nun jedenfalls gesorgt. Über den Autor Peter Graßmann Studium der Europäischen und Ostasiatischen Kunstge- schichte in Heidelberg, seit 2013 bei den Städtischen Mu- seen Villingen-Schwenningen, seit 2017 als wissenschaftli- cher Mitarbeiter. Die neue Hinweistafel am Schwedendamm Bild: Peter Graßmann

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