Sind diese Drei die Villinger mit dem kräftigsten Bums? Wahrscheinlich. Denn was Hans-Joachim Richter, Hermann Sulzmann und Karl-Heinz Schwert in Stellung bringen, das ist einzigartig. Am Stallberg wird ab etwa halbelf Uhr nachts die Villinger Bürgerwehr-Kanone in Position gebracht. Wer dabei sein will, ist herzlich willkommen. Wo genau die Kanone stehen wird, ist am Scheinwerferlicht in der Nacht ersichtlich.
Zwanzig Jahre alt ist die Bürgerwehrkanone, ein Unikat, stolz wie ganz Villingen, Handarbeit von A bis Z. Ein Prunkstück aus Eiche rustikal und einem schwarzem, tiefgründigem Rohr. Es ist kein offizieller Bürgerwehr-Akt, was das Trio in der letzten Nacht des Jahres hier zelebriert, aber Böllern und Knallen, wie es in dieser Nacht Tausende tun, das ist schon etwas anderes.
125 Gramm Schwarzpulver krachen los, wenn die Drei am Stallberg das Kommando „Feuer“ geben. Zusätzlich wird noch Mehl in das Kanonenrohr gestopft, „das gibt eine schöne Stichflamme“, weiß Hermann Sulzman. Dass die Drei von der Bürgerwehr wahrscheinlich die mächstigste Kracher in dieser Nacht zünden, darüber reden diese Männer nicht einmal. Sie wissen: Wir spielen in einer anderen Liga.
Auf dem Stallberg bei der Gaskugel gehen sie in Position, weil dies mutmaßlich der höchste Punkt in Villingen ist. Ein Plateau, wie geschaffen für ein paar gepflegte Schüsse. Wie oft genau die ehrwürdige Villinger Bürgerwehrkanone in dieser Nacht abgefeuert wird, das wissen die Drei im Voraus noch nicht.
Eigentlich, so berichtet es Karl-Heinz Schwert, schieße man ja zu Testzwecken. „Diese Nacht ist für uns die einzige Chance, mit der Kanone zu üben“, sagt er. Dass die Drei aber in der Übung sind, wird schon klar, wenn sie das Schussgerät aus einem Stall in Villingen ziehen. Alle Hände arbeiten hier zusammen, stolz wird die Kanone noch an die Protze gehängt. Dieser einachsige Wagen ist für den Munitionstransport gedacht, von vier Pferden wird das Gefährt traditionsgemäß gezogen. Beim Villinger Zapfenstreich war das zuletzt so zu bestaunen.
Weil die Bürgerwehr-Kameraden auch mit gutem Beispiel voran gehen wollen, trinken sie den ganzen Tag und die ganze Nacht „keinen Tropfen Alkohol“, wie Hermann Sulzmann sagt. Anders formuliert. So schießen Profis. Ganz trocken, in jeglicher Hinsicht.

