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Ein neuer Traum vom Brunnen

Von Südkurier |

Ein ganz besonderes Geschenk wollte sich die Bürgerwehr zum 200-jährigen Bestehen machen. Eigentlich sollte ab 2010 ein großer historischer Brunnen den Marktplatz im Herzen Villingens schmücken. So sah es Bürgerwehrchef Manfred Riegger mit seinen Unterstützern vor. Doch eine für die Initiatoren erschütternde Mehrheit im Gemeinderat lehnte den Bau eines Brunnens auf dem Zähringerkreuz ab.

Das war 2006. Und auch heute noch kann Riegger nicht von dieser Idee lassen. Auf einem Bierkrug erinnert er an sein Vorhaben von damals. Darauf zu sehen ist das Modell des Brunnens, wie es auf dem Marktplatz aufgebaut wurde. Außerdem sind alle ehemaligen acht Klöster aus Villingen aufgelistet. „Es weiß doch niemand, dass es die mal gab“, so der Villinger. Passend zur Weihnachtszeit befindet sich die Liste dieser Klöster nun also auf dem Porzellankrug mit Goldrand. Ab heute können die Souvenirs in begrenzter Auflage am Stand Nummer sechs auf dem Weihnachtsmarkt gekauft werden. 300 Stück für jeweils 39 Euro.

So hat der Brunnen dann doch noch was mit dem Jubiläum zu tun: Der Erlös finanziert die 200-Jahr-Feier im April und Juni kommenden Jahres. Riegger hofft deswegen, dass alle Villinger Krüge einen Abnehmer finden. Schließlich hätten damals rund 6000 Menschen den Brunnen mit ihrer Unterschrift unterstützt, erzählt der 72-Jährige – mehr als es Krüge gibt.

In der entscheidenden Gemeinderatssitzung am 25. Oktober 2006 stimmten 23 Stadträte gegen den Brunnen, nur acht gaben ihm ihre Stimme. Dabei hatten die Befürworter, auch aus den Reihen der Katzenmusik, mit allen Mitteln gekämpft. Um den Villingern zu demonstrieren, wie schmückend so ein Brunnen sein kann, bauten sie einen maßstabsgetreuen Brunnen aus Spanplatten und stellten ihn im Zentrum auf. „Viehtränke“ war nur eine Beschimpfung, die der Brunnen über sich ergehen lassen musste. Auch „altmodisch“ wurde dieses Modell genannt. Die Nonnen von St. Ursula freuten sich zwar über die geplante Erwähnung der Klöster, doch dieser Entwurf sei zu „brav“, er müsse „pfiffiger“ werden.

Zwei Monate konnten die Villinger eine Ahnung davon bekommen, wie es sich mit einem Brunnen im Herzen der Stadt lebt. Dann wurde das Modell wieder abgebaut. Oberbürgermeister Rupert Kubon wollte den Marktplatz lieber als Platz erhalten. Ein Brunnen hätte diesen zu stark dominiert, hieß es. Übriggeblieben ist jetzt nur noch die Stehle mit den Wappen, wie Riegger berichtet. „In jeder alten Stadt gibt es einen Brunnen“, deswegen habe er sich dafür so eingesetzt. Doch kämpfen müssten jetzt andere: „Ich selber würde das nicht noch mal anstoßen.“

Ach ja, anstoßen: In den Bierkrug passt eine hervorragend gekühlte Halbe, vielleicht auch heißer Glühwein. Auf den Brunnen! Auf den Marktplatz! Na dann: Prost!

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