Die Villinger »Stadtsoldaten« von der Historischen Bürgerwehr und ihren Abteilungen saßen mit Markgraf Max von Baden im Saal des Alten Rathauses und ließen sich das Käsvesper schmecken.
Von Willi Zimmermann VS-Villingen. Wie es zu diesem Brauch aus der Zeit der Napoleonischen Kriege kam, war den Ausführungen von Kommandant Hans-Joachim Böhm zu entnehmen, der den Anwesenden den Schriftwechsel aus dem Jahr 1812 zwischen Stadt und dem Großherzoglichen Bezirksamt verlas: Dass der Rat der Stadt Villingen den Bürgersoldaten zur Aufmunterung und für den treu geleisteten Dienst einmal jährlich eine nahrhafte Belohnung zukommen lassen wollte, zusätzlich 30 Gulden pro Jahr, damit sie ihr Pulver trocken und ihre Waffen in Schuss halten können.
Was dieser Vorgang bedeutet oder bedeutet hat, erläuterte Oberbürgermeister Rupert Kubon anschaulich. Die Stadt hat die obere Landesbehörde um einen Betrag angebettelt, den sie aus der eigenen Tasche bezahlen wollte. Die Stadt und die neue Landesherrschaft waren sich seinerzeit alles andere als grün, man traute sich nicht unbedingt über den Weg.
Seit den Wirren der Napoleonischen Zeit habe sich doch einiges verändert und gewandelt. Mit der »Landesherrschaft « habe man längst seinen Frieden gemacht und sich gar voll mit ihr identifiziert. Der Titel »Königliche Hoheit« für den Badischen Großherzog sei ein typisches badisches Understatement, wie eine Spitze gegen das zum »kleinen« Königreich erhobene Württemberg.
Die Versöhnung mit dem Hause Baden sei seit diesen Sommer symbolisch längst vollzogen, als Markgraf Max von Baden in der Kutsche im Städtle vorfuhr, erklärte OB Kubon. Dies sei aber nur ein halbes Fest gewesen, entgegnete Max von Baden gut gelaunt, das Käsvesper sei denn schon etwas anderes.
Das Käsvesper wurde wie gehabt aus dem Stadtsäckel gesponsert, den Umtrunk steuerte Markgraf Max von Baden bei. Wie es sich mit dem Zuschuss von 30 Gulden verhält, über den heutigen Wechselkurs müsse sich der Schultes Kubon und Kommandant Böhm noch beratschlagen.
Markgraf Max von Baden ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Kommandant Hans-Joachim Böhm die zur Ehrung oder Beförderung anstehenden 26 Mitglieder vorzunehmen, ehe man nach vollbrachter Tat sich das Vesper schmecken ließ. Böhm bedankte sich auch bei den weiblichen Mitgliedern der Trachtgengruppe, die hinter den Kulissen für das gelungene Fest die Vorbereitungen trafen und für den Service sorgten.
Als weitere Gäste durfte der Landeskommandant der Badisch- Hessischen Bürgerwehren Hans-Joachim Böhm eine Abordnung der Historischen Bürgerwehr aus Oberharmersbach begrüßen. Es verstand sich von selbst, dass bei der Verabschiedung des Staatsgastes appellmäßig das Badnerlied angestimmt wurde.

