Die besten Festwirte der Stadt sitzen hier am Tisch. Montagabend, Zunftstube. Eigentlich ist Grillwetter, Radtour-Wetter, Aperol-Spritz-Wetter. Doch 18 Mann brüten im Halbdunkel am Fuße des Romäusturms über Lageplänen und Einsatzlisten. Das Villinger Stadtfest wird vorbereitet. Generalstabsmäßig ist untertrieben. Wer dabeisitzt, dem wird klar: Bei den neun großen Villinger Vereinen im Organisationsteam von „9 am Münster“ geht es zu wie beim Pingpong. Gärt im einen Club ein Problemchen – ping – meldet sich der andere Verein und hat eine Lösung. Pong.
Es ist eine tolle Truppe, die da zusammensitzt. Höchste Konzentration, alle sind ganz ruhig. Obwohl ein paar Problemchen bei der Vorbereitung noch ziemlich unüberhörbar ping machen. Man könnte ein Buch schreiben über einen solchen Abend. Sie sitzen da wie Pokerspieler. Die Ruhe selbst. Das haben sie so in ihren Vereinen gelernt. Bloß keine Panik. Könnte ja ansteckend sein. Also gibt man sich betont entspannt. Zum Beispiel Alexander Heist. Er hat die sattsame Aufgabe zu lösen, die Zahl von 1000 (eintausend!) Helfern zu koordinieren. Sein Thema an diesem Abend: „Wo hänge ich denn nur meine riesigen Einsatzpläne in jeder Hütte hin?“. Am Tisch verzieht keiner eine Miene. Dann macht es pong. Die Lösung ist da. „Wir hängen kleine Einsatzpläne für jede Hütte auf“, sagt Werner Mauch von der Bürgerwehr.
Neun Vereine, ein Fest und vor allem: Diese eine, große Idee: Eine Megafete von Bürgern für Bürger. In Villingen soll endlich mal so richtig was los sein. Nicht immer nur neidisch nach Tuttlingen und Rottweil schauen. Also packen sie an, und wie. Das Programm steht mittlerweile, für Villinger und Umlandbürger vielleicht mit das Schönste: Das Fest findet rund um das Münster statt. Platz und Gebäude werden eigens beleuchtet. Dass es auf dem Areal weder Wasseranschluss noch Steckdosen gibt, schreckt hier keinen. Henry Greif von der Harmonie sinniert entspannt lächelnd in seine gefalteten Hände. Er spürt: Das wird gut. Günther Reichenberger kennt man als Glonkivatter. Er trinkt an diesem Abend eine Apfelschorle und wischt alle Bedenken vom Tisch, wie hunderte Meter von Kabeln auf den Platz kommen.
Und immer wieder diese Kleinigkeiten: Wie kommen eigentlich die Helfer an ihre Helferausweise? Wie schaffen wir ein paar hundert Kilo Fleisch auf den Festplatz- und wann? Vor allem: In welchen Kühlschränken werden die Stücke gelagert? Die Volkshochschule muss als Lager herhalten, das Rathaus als Festbüro. Frischwasser? „Müssten wir im Rathaus haben“, sagt gedehnt Joachim Wöhrle. Der Zunftmeister und Hauptamtsleiter knabbert an einer Brotstange. Ganz entspannt ist er. Auch das: Ein sehr gutes Zeichen.
Aber jetzt, jetzt müsste eigentlich allen der Deckel hoch gehen. Dominik Schaaf von der Katzenmusik hat festgestellt, dass Nummerierungen von Ständen nicht übereinstimmen. Was jedes Orga-Team an den Rande des Wahnsinns getrieben hätte, hier wird es trocken durchdiskutiert. Hans-Joachim Böhm von der Bürgerwehr analysiert kurz, dann ist alles klar. Ein Teil der Unterlagen muss angeglichen werden, Maßstab sind die schon gedruckten Programmzettel mit dem Lageplan.
Stadtfest in Villingen oder: So macht man das. An der Spülstraße fehlen Geschirrhandtücher. Bernadette Mangold vom FC Nullacht kann ein paar Kisten voll liefern. Plötzlich geht die Türe auf. Im Obergeschoss tagt zeitgleich der Gourmet-Stand. Lauter Narros und zwei Frauen kommen die wacklige Zunftstubentreppe herunter gepoltert. Der Gourmetstand macht an den Abenden mehr als nur Scampi und Co. Es gibt Cocktails und man entscheidet, das Personal zu verdoppeln. 18 statt neun Mann.
21 Uhr, zwei Stunden tagen sie jetzt schon. Das Thema Sicherheit wird groß geschrieben. Es gibt eine speziell geschulte Einsatzgruppe auf dem Platz, Polizei und Ordnungsamt sind ebenfalls im Einsatz. Und Hunde, die nachts das Gelände bewachen. Unter anderem.
21.45 Uhr. Die Runde beschließt, so als wäre es nichts, die Programmzettel überall im Stadtgebiet zu verteilen. Wie von selbst schnappt sich jeder Verein zwei, drei Stadtbezirke, das Kurgebiet die Wöschhalde und so weiter. Samstag soll es losgehen. Pingpong, klappern dann die Briefkästen.
Los gegangen ist alles eigentlich schon vor zwei Jahren. Seither planen und tagen die Vereine. Ein Wahnsinn ist das nur scheinbar. Die erfahrenen Ehrenämtler planen das durch wie 90 Minuten Jugendtraining. Nichts wird vergessen. Alles im Griff? Aber ja.
Schöne Erlebnisse haben die Festwirte schon jetzt. Samstag muss nach dem Freitagabend der Platz umgebaut werden. Morgens kommt die Jugendfeuerwehr und hilft. Einfach so. So wie es sein muss. In einer Stadt, die sich auf ein einzigartiges Wochenende freuen darf!

