VS-Villingen. Beim traditionellen Käsvesper im Alten Rathaus ließen die Abteilungen der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe das ereignisreiche Vereinsjahr Revue passieren, auch die Teilnahme an den Gedenkfeiern der Völkerschlacht bei Leipzig gegen Napoleon vor 200 Jahren.
Warum man zusammengekommen ist, daran erinnerte Kommandant Hans-Joachim Böhm, der den Anwesenden den Schriftwechsel aus dem Jahr 1812 zwischen Stadt und Bezirksamt zu Gemüte führen. Der Rat der Stadt Villingen wollte zur Aufmunterung und für den treuen Dienst der geleistet wurde, einmal jährlich eine nahrhafte Belohnung zukommen zu lassen. Außerdem bekam die Bürgerwehr 30 Gulden pro Jahr, damit sie ihr Pulver trocken und ihre Waffen in Schuss halten kann. Vor über 40 Jahren ließ man zusammen mit der Stadt diesem Brauch wieder aufleben. "Heute isch alles etwas anders", befürchtete Kommandant Hans-Joachim Böhm anfänglich. Ist er es doch als "alter Militär" gewohnt, dass die Leute pünktlich zum Appell erscheinen. Jetzt fehlte nicht nur der Hausherr Oberbürgermeister Rupert Kubon, sondern auch Hauptmann Gerd Laun, der die Treuedienstabzeichen in seinem Koffer hatte.
Schon hatte Böhm Zunftmeister der Narro-Zunft und städtischen Säckelmeister Joachim Wöhrle zum Oberbürgermeister-Stellvertreter ernannt, um den Abend beginnen zu können, als die Tür zum Ratssaal aufging und die beiden doch noch halbwegs rechtzeitig kamen. Laun hatte seine Dienstpflicht als Nikolaus erfüllt, und der Schultes hatte mit der Anreise aus der badischen Landeshauptstadt Karlsruhe so seine Mühe mit den Wetterverhältnissen.
In den letzten 200 Jahren habe sich so viel nicht geändert, kommentierte der gut gelaunte OB das Geschehen. Mit den Transportwegen und Gelegenheiten sei es immer noch so eine mühselige Sache und die kleinen Chargen müssten immer noch wie früher zuerst einmal finanziell in Vorleistung treten, bevor sie von Amts wegen gnädigerweise eine Belohnung bekommen. Er spielte darauf an, dass sich jedes Mitglied des Bürgermilitärs damals die Ausrüstung selbst anschaffen musste, um seiner Bürgerpflicht nachzukommen.
Allein unter sich brauchte nicht gefeiert werden. Vom "Interessenverein Völkerschlacht Leipzig 1813" durfte man eine Abordnung unter Wolf-Dieter Schmidt als Gäste begrüßen. Eine kurze und prägnante Dokumentation über den Aufenthalt in Leipzig rief die Einzelheiten des erlebnisreichen Aufenthalts nochmals ab.

