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Menschen brauchen Heimat

Von Südkurier |

Sie pflegen Villinger Brauchtum in der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe: Ursula und Hansjörg Fehrenbach, Hauptmann der Miliz.

Villingen-Schwenningen – Er denkt nur kurz nach, antwortet dann: „Heimat ist, wo ich mich wohlfühle, wo ich meine Freunde habe.“ Für Hansjörg Fehrenbach ist diese Heimat Villingen, er ergänzt: „Villingen-Schwenningen. Doch ich hab' doch damals auch dafür gestimmt.“ Damals, das war, als Innenminister Walter Krause in der Tonhalle für die Fusion der Städte Villingen und Schwenningen mit Inbrunst und flammenden Argumenten warb.

Hansjörg Fehrenbach studierte zu der Zeit in Konstanz Hochbau und ließ sich auch deswegen für den Zusammenschluss gewinnen, weil der Innenminister eine Hochschule in Villingen-Schwenningen versprach.

Neben Konstanz war Hansjörg Fehrenbach nur noch ein zweites Mal fern der Heimat, bei der Bundeswehr in Sigmaringen. Sonst war der waschechte Villinger aus der Südstadt immer daheim – in der Heimat. Als er 1986 mit seiner Frau Ursula in das Haus der Schwiegermutter nach Obereschach zog, blieb er ja auch in Villingen-Schwenningen.

Heimat, das sind für Hansjörg Fehrenbach, dessen Vornamen eigentlich Johann Georg lauten, aber der immer schon Hansjörg genannt wird, die Vereine. Besonders die Vereine, die sich der Heimat- und Brauchtumspflege widmen und die damit die Heimat prägen. In diesen Vereinen ist der 64-jährige Diplom-Ingenieur ebenfalls daheim. Seit 1958 geht er an der Fasnet ins Häs der Narros, ist dienstältestes Mitglied im aktiven Rat der Narrozunft. In der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe engagiert er sich seit 45 Jahren, hat es dort zum Hauptmann der Miliz gebracht. Selbstredend arbeitet er im Geschichts- und Heimatverein mit. Natürlich war er beim Ausbau der Zehntscheuer dabei, hat bei der gemeinsamen Jubiläumspublikation zum 200-jährigen Bestehen der Bürgerwehr und der Stadt- und Bürgerwehrmusik „Pulverdampf und Bläserklang“ mitgewirkt. Und selbstverständlich hat er sein handwerkliches Geschick eingebracht, als der Geschichts- und Naturlehrpfad angelegt wurde.

Mit solcher Leidenschaft für seine Heimat hat der Mittelschüler auch bei seinem Klassenlehrer Hans Brüstle Punkte gesammelt, nämlich 19 von 20 möglichen für seine 31 Seiten umfassende Jahresarbeit „Eine Studienfahrt durch Villingen“, von Hand geschrieben und mit kunstvollen, filigranen Federzeichnungen von Bauwerken in der Zähringerstadt illustriert. Der Villinger schmunzelt: „Von da hat mich mein Lehrer ganz anders angesehen.“ Möglicherweise hat der Klassenlehrer in seinem Schüler einen Nachfolger erkannt, war er doch selbst Verfasser und Herausgeber von einigen heimatgeschichtlichen Publikationen.

In seiner Heimat muss man nicht geboren sein, sagt Hansjörg Fehrenbach und dass Menschen auch mehr als eine Heimat haben können. Es sei wichtig, dass sie auch in einer neuen Heimat Sitten und Bräuche ihrer eigentlichen Heimat pflegen. Um in ihrer neuen Heimat heimisch zu werden, sollten sie sich an deren Regeln halten, befindet er.

Sein 2004 im Alter von erst 72 Jahren gestorbener Bruder Gerson hatte sich recht früh Berlin als neue Heimat ausgewählt. „Ihm war es hier zu eng geworden“, erinnert sich Hansjörg Fehrenbach. In Berlin hatte der 1932 in Villingen geborene Bildhauer sich niedergelassen, nachdem er an der Hochschule der Künste studiert hatte. „Die Kunstszene war damals in Berlin zuhause“, erzählt Hansjörg Fehrenbach von seinem Bruder. Er erzählt aber auch von dessen Heimatliebe, die mit zunehmendem Alter immer stärker wurde. Es verging kein Jahr, in dem der Berliner nicht Villingen besuchte. Auch zwei seiner Werke stehen in der Doppelstadt, das Königspaar in der Grünanlage vor der Villinger Stadtmauer und das Handzeichen vor der Berufsschule beim Schwenninger Bahnhof.

„Er ist Villinger und vor allem Schwarzwälder geblieben“, sagt Hansjörg Fehrenbach. „Wir haben uns immer in unserem Dialekt unterhalten und in Berlin hatte er Freude daran, Geschichten aus dem Schwarzwald vorzutragen.“

Ja, für seinen Bruder war der Heimatbegriff weiter gefasst, es war der Schwarzwald. Und wenn den Künstler Stipendien und Reisen ins Ausland, wie Paris, Florenz, Niederlande und England führten, dann war der Heimatbegriff noch weiter gefasst, dann war auch Deutschland die Heimat.

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