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Mit einem Kraftakt ins Jubiläumsjahr

Von Südkurier |

VS-Villingen – Es ist wohl das größte und zugleich schwerste Stück, das jemals im Franziskanermuseum ausgestellt wurde: die 1994 geschaffene Nachbildung einer Kanone, wie sie vor über 200 Jahren die Mannen der Villinger Bürgerwehr benutzt haben.

Die Kanone ist eines der gut 95 Stücke, die vom 26. März bis 25. April im Museum zu sehen sein werden. Anlass ist der 200. Geburtstag von Stadtmusik und Bürgerwehr. Gestern wurde die Kanone ins Museum gebracht.

Gerade haben vier Männer ein Teilstück des Kanonenrohrs auf das hölzerne Gestell gehievt, da ruft einer der Umstehenden: „Die ist doch verkehrt rum!“ Dann wird halt noch mal angehoben und das gute Stück richtig herum drauf gelegt.

Sieben Männer im besten Alter schaffen die gut 15 Zentner schwere Kanone mit vereinten Kräften, einem fahrbaren Untersatz und über Stufen gelegten Holzbrettern ins Innere des Museums: Manfred Riegger, Horst Spormann, Hansjörg Fehrenbach, Rolf Greitmann, Gerd Laun, Gerhard Ächtner und Karl-Heinz Schwert. Auch Rüdiger Granzow von den städtischen Museen und Franziskaner-Hausmeister Jürgen Paul helfen mit.

Schon vor einigen Wochen haben sich die Verantwortlichen der beiden Vereine zusammen mit Museumsleiter Michael Hütt getroffen und ausgemessen, ob und wie man die immerhin acht Meter lange Kanone ins Innere des Franziskanermuseum befördern könnte.

Das gute Stück war nur drei Zentimeter zu breit für die hintere Tür des Museums, erinnert sich Doris Feld, die Präsidentin der Stadtmusik, während die gut drei Meter lange Deichsel ins Museum geschoben wird. Man hätte den Metallrahmen ausbauen müssen, aber der ist alarmgesichert, erzählt die Präsidentin weiter.

Auch Dirigent Markus Färber hat sich das spektakuläre Ereignis nicht entgehen lassen und beobachtet den Kraftakt. Um den Teil des Untergestells mit den zwei großen Speichen-Rädern, die Lafette, durch die Tür zu bekommen, müssen die Helfer es hochkant stellen.

Bei der Kanone handelt es sich um eine Nachbildung. Gerd Laun erinnert sich noch genau: Anhand einer historischen Zeichnung auf einem DIN A4 Blatt hat eine Gruppe von tatkräftigen Handwerkern sich 1994 ans Werk gemacht: Neben den bereits verstorbenen Egon Dilger (Schlosser) und Fritz Flöß (Zimmermeister) auch Manfred Riegger (Holzhändler), Wagner Christian Hildebrand, die Schmiede Hans Spiegelhalter und Gottlieb Götz.

Das gute Stück ist längst keine Attrappe. Es kommt regelmäßig zum Einsatz und darf gelegentlich unter gewaltigem Getöse auch Schwarzpulver spucken. Erst 2009 bei den Heimattagen in Reutlingen, an Silvester in der eigenen Stadt oder bei der Beerdigung von Stadtmusik-Direktor Rupert Binder.

Im Gegensatz zu anderen Kanonen kann die Villinger pro Ladung nur einen Schuss abgeben. Dann muss das Rohr abkühlen – deshalb hängt an dem Gestell ein hölzerner Wassereimer, erklärt Gerd Laun und scherzt: „Hoffentlich denkt keiner, das ist ein Abfalleimer“. Gut eine Minute müsse das Kanonenrohr abkühlen, bis man nachladen und schießen darf. Hält man die Pause nicht ein, besteht die Gefahr, dass sich das Schwarzpulver von selbst entzündet. Eine gefährliche Sache also. Deshalb darf nicht jeder feuern, nur jene, die den Böllerschein haben wie Karl-Heinz Schwer.

Endlich ist es vollbracht: Die Kanone steht, das Rohr liegt auf dem Gestell, zeigt in Richtung hinterer Eingang, die Putzstöcke stecken wieder in den Halterungen. Stadtmusik-Präsidentin Doris Feld lehnt sich auf die Deichsel und scherzt: „Und hier kassieren wir den Eintritt“. Auch die übrigen Exponate sind bereits im Museum und müssen nur noch aufgebaut und mit Infotafeln versehen werden. Dann kann der Besucheransturm kommen.

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