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Perfektionist Ächtner baut das Villinger Münster nach

Von Südkurier |

Gerhard Ächtner hat das Villinger Münster im Modell maßstabsgetreu nachgebaut. Diese Aufnahme zeigt ihn mit dem Südturm des Münsters. Mehr wird noch nicht gezeigt, denn Ächtner wird das Modell am 16./17. April offiziell vorstellen. Bild: Bild: Jochen Hahne

VS-Villingen – Nach viereinhalbjähriger Bauzeit mit rund 2100 Arbeitsstunden hat Hobby-Modellbauer Gerhard Ächtner sein neuestes Meisterstück fertig gestellt: In seinem Arbeitszimmer steht das Villinger Münster im Maßstab 1:50. Wie seine bisherigen Modelle wird auch das Münster wieder zahlreiche Bewunderer finden.

Allen, die schon jetzt neugierig sind, sei gesagt: Am Sonntag, 17. April, stellt der Baumeister das originalgetreue Werk der Öffentlichkeit im Münsterzentrum vor.

Seine „Modellbau-Karriere“ hat Ächtner 1991 mit dem Bau des Villinger Aussichtsturms begonnen. Es folgte das Bickentor mit dem angrenzenden Kloster St. Ursula, schließlich das Riettor mit den umgebenden Gebäuden. Nummer vier und vorläufiger Höhepunkt seines Schaffens ist das Münster, das nach Einschätzung seines Erbauers wohl die aufwändigste Arbeit war.

Gerhard Ächtner, der mit seinen 71 Jahren noch immer als Heizungs- und Sanitärbaumeister arbeitet, ist ein Hundertprozentiger. „Ich möchte keinen Murks machen, das Modell soll so originalgetreu wie möglich aussehen“, lautet sein Arbeitsverständnis. Das heißt: Er besorgt sich für jedes seiner Modelle die original Baupläne, was im Falle des Münsters nicht ganz einfach war. Mit einer Digitalkamera hat er den mittelalterlichen Sakralbau abschnittsweise fotografiert, um eine perfekte Vorlage zu haben. Wie weit ihn dann sein Perfektionismus treibt, lässt sich am Münsterbau eindrucksvoll studieren. Ächtner hat in alten Unterlagen gelesen, dass der Buntsandstein des Villinger Münsters im Mittelalter an einer Halde beim Unterkirnacher Bahnhöfle gebrochen wurde. Also begab er sich ebenfalls dorthin und holte sich an derselben Stelle große Brocken Buntstandstein. Die schnitt er dann maßstabsgetreu 1:50 in kleine Quader. Insgesamt 3200 Stück davon hat er mit Diamantscheibe kleingeschnitten und verarbeitet. Zeitraubend gestaltete sich auch das Dachdecken mit rund 3100 kleinen Kupferziegeln.

„Jede einzelne musste ausgesägt, gebohrt, gesenkt und genagelt werden“, schilderte Ächtner. Eine Sisyphusarbeit. Die Dachrinne des Münstermodells hat Ächtner so gebaut, dass sie tatsächlich funktionieren würde. Die kupferblechbewehrten Erker auf dem Hauptgebäude hat er eigens auf alt getrimmt und brüniert, ebenso die grüne Patina auf dem Südturm. Bei solcherlei handwerklichen Herausforderungen im Miniaturformat kann sich der stets gut gelaunte Ächtner bestens entspannen und „vom Alltag abschalten“. Abends und an verregneten Wochenenden begibt er sich in seinem Haus in der Fördererstraße 9 in seinen Hobbyraum, schaltet das Radio ein, und legt los.

Die Freude am Bauen ist bei Ächtner gepaart mit Interesse an der Stadtgeschichte. Ursprünglich stammt er zwar aus Niederbayern, kam erst mit 17 Jahren von Berufs wegen nach Villingen. Doch inzwischen wurde er hier längst heimisch, ist Mitglied im Villinger Geschichts- und Heimatverein, in der Bürgerwehr und im Förderverein für das Franziskaner Museum. Dort stehen übrigens auch seine bisherigen drei Modelle. Ob das Münster dort ebenfalls dauerhaft zu sehen sein wird, ist noch unklar. Vielleicht wird es auch im Münster selbst stehen. Hier heißt es ebenso abwarten wie bei der Frage, ob Ächtner noch einmal ein Modell in Angriff nimmt. Ihm ist bewusst: Das Obere Tor fehlt noch für eine komplette Sammlung…

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