Die zehnjährige Stute Rösle ist blind. Trotzdem waren sie und Reiter Manfred Riegger auf der Fuchsjagd in Stuttgart dabei und galoppierten mit der Gruppe mit.
Rösle ist ein „schickes Ross“, sagt Manfred Riegger über seine Oldenburger Stute. Rösle ist zehn Jahre alt und blind. Trotz ihrer Behinderung wagt sie sich auch in schwieriges Gelände. Das stellte die Stute bei einer Fuchsjagd in Stuttgart vor ein paar Tagen unter Beweis. Ross und Reiter beeindruckten damit die rund 40 Reiter, die an der traditionellen Hubertusjagd des Reit- und Fahrvereins Stuttgart am Schloss Solitude teilnahmen.
Vertrauen ist das Geheimnis dieser ganz besonderen Beziehung. Ohne Angst steigt Manfred Riegger auf den Rücken von Rösle, die ihm ihrerseits blindes Vertrauen entgegenbringt. „Ich bin ständig im Gespräch mit dem Pferd“, erklärt Riegger, Kommandant der Villinger Bürgerwehr, wie er der Stute den richtigen Weg weist. Ein „Achtung“ hier, ein „Ruhig“ dort. Die beiden haben eine gemeinsame Sprache gefunden, die sie bei der Fuchsjagd sicher durch den Kräherwald in Stuttgart führte. Das Pferd sei unheimlich feinfühlig, so der ehemalige Landessieger im Ein- und Vierspänner fahren. Der 72-Jährige schwärmt von seinem Rösle, die noch sehen konnte als sie vor acht Jahren zu ihm kam. Kurze Zeit später wurde sie blind. „Sie ist ein sehr elegantes Pferd und sehr schnell.“ Im vollen Galopp und mitten zwischen den anderen Pferden ging es durch den Wald. Gar nicht so einfach für Reiter Riegger: „Es war unheimlich anstrengend.“ Viereinhalb Stunden im Sattel unter voller Konzentration. In der Gruppe sind die Tiere noch lebendiger als einzeln.
Die Einladung kam von der Stadtgarde zu Pferd in Stuttgart – 14 Tage vor der Jagd. Nicht viel Zeit für Riegger und seinen Bürgerwehr-Leutnant Alfred Strohmeier zum Trainieren. Doch das blinde Pferd meisterte die Aufgabe gut. Nur ihr trüber Blick verriet, dass sie nichts mehr sehen kann. „Sie ist nicht einmal gestolpert oder ins Straucheln gekommen“, berichtet Riegger von ihrem Erfolg. „Für mich war das etwas ganz Besonderes, wie ein gewonnenes Turnier.“ So wie vor zwei Jahren, als er mit dem Pferd im Einspänner den Hindernisparcours in Sigmaringen gewann.
Das Vertrauensverhältnis hätte sich einfach so ergeben, sagt der Villinger. Das allerdings ist ein wenig geflunkert, denn zu seiner Rösle pflegt Riegger eine enge Beziehung. Jeden Morgen reitet er mit ihr mindestens eine Stunde aus. Oft ist er den ganzen Tag bei seinen vier Pferden, die im Zollhaus stehen. Doch mit Rösle arbeitet er am liebsten: „Sie ist viel angenehmer als andere Pferde. Es macht einfach mehr Spaß mit ihr.“ Trotzdem soll es keine weitere Jagd durch den Wald geben. Zwar kam bereits die Einladung, doch für Riegger war es einfach ein einmaliges Erlebnis.

