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Von der Militär- zur Stadtmusik

Von Südkurier |

Diese Aufnahme zeigt die Stadtmusik Villingen in der alten Bürgermilitäruniform bei einem Umzug im Jahre 1948. Es dürfte einer der ersten Stadtmusikauftritte nach dem Krieg gewesen sein. Damals hat die französische Besatzungsmacht den Musikern noch verboten, einen Säbel zu tragen.

Es war im Jahre 1810, als seitens der Villinger Obrigkeit beschlossen wurde, ein freiwilliges Militaircorps ins Leben zu rufen, das die Torwachen, die Polizei- und Streifendienste in der Stadt übernimmt und bei festlichen Anlässen paradiert. Mit diesem Beschluss wurde die 1774 gegründete Bürgermiliz aufgelöst. Warum das von Bedeutung ist? Von aktueller Bedeutung ist dieser Beschluss deshalb, weil das neue Bürgermilitär von 1810 laut Ratsbeschluss auch eine Musikabteilung bekam. Und diese Militärmusik war der Ursprung und die Keimzelle der Villinger Stadtmusik. Aus diesem Anlass feiert die Stadtmusik im nächsten Jahr in großem Stil ihr 200-jähriges Bestehen mit einem großen Programm.

Wer ein stolzes Jubiläum feiern will, muss seine Geschichte kennen. Die Stadtmusik wird daher unter Federführung des städtischen Kulturamtes ein „Festbuch“ herausbringen, das auf rund hundert Seiten die wechselvolle 200-jährige Historie von der Militärkapelle zur modernen Blasmusik heutigen Zuschnitts darstellen wird. Und weil deren Geschichte bis heute aufs engste verzahnt ist mit der Villinger Bürgerwehr, werden in diesem Buch auch die militärischen Ursprünge und Traditionen der stolzen Villinger Musiker ausführlich beleuchtet.

Zuständig für den Blick aufs Militärische ist Horst Spormann, langjähriges Mitglied und ehemaliger Hauptmann der Historischen Bürgerwehr Villingen. Seit über einem Jahr ist er damit beschäftigt, für das Festbuch eine umfassende Chronik der Bürgerwehr zusammenzustellen. Das Material, dass er inzwischen zusammengetragen hat, umfasst bereits mehr als er im Festbuch unterbringen kann. Aber Spormann denkt bereits weiter. „Ich versuche, alles zu sammeln, was ich finde.“ Denn er will mit dieser Arbeit die Grundlage für eine eigene Vereinschronik der Villinger Bürgerwehr zu schaffen, die zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen soll. „Ich hoffe, dass es jemand dann diese Arbeit weiterführt“, meint der Rentner.

„Schließlich soll dies ein lebendiges Buch werden“, betont Rolf Greitmann, der ebenfalls am Festbuch mitwirkt. Der langjährige Vorsitzende der Stadtmusik Villingen (1991-2001) und aktuelle Vorsitzende des Fördervereins hat die Aufgabe übernommen, eine Zeittafel über die Entstehungsgeschichte der Stadtmusik zu erarbeiten. Diese wurde, nach ihren Anfängen als Kapelle des Villinger Bürgermilitärs im März 1888 durch Beschluss des Gemeinderates offiziell gegründet. Interessanterweise war es die Narrozunft und vor allem des damaligen Zunftmeisters Albert Fischer, der in 20er Jahren dafür sorgte, dass die Stadtmusik wieder eine Uniform aus der Zeit der Bürgermilitärmusik bekam. Fischer war es auch, der die Gründung einer historischen Bürgermiliz und später der Kavallerie initiierte. Den Villinger Narromarsch spielte die Stadtmusik erstmals 1930, und zwar bei einem Narrentreffen in Rottweil.

„Wir sind in der unheimlich glücklichen Lage, ein uraltes Protokollbuch zu haben“, berichtet Greitmann von der historischen Fundgrube der Stadtmusik. Es wurde einst im Archiv der Karl-Brachat-Realschule zufällig entdeckt und dokumentiert ausführlich die Jahre 1890 bis 1955. Greitmann hat daraus geschöpft, zugleich aber auch die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet. So werden in dem Festbuch auch sämtliche Abteilungen der Stadtmusik, von den Kindern in der Bläserschule, über die einzelnen musikalischen Register im Blasorchester bis hin zu den Ehrenmitgliedern dargestellt. „In 40 Jahren sind diese Darstellungen bereits von größtem Interesse. Deshalb legen wir auf die aktuellen Darstellungen großen Wert“, betonte Greitmann. Wie gesagt, es soll ein lebendiges Festbuch werden. Erscheinen wird es voraussichtlich im November, rechtzeitig zum Jahreskonzert. Bis dahin wartet auf Spormann und Greitmann noch jede Menge Arbeit.

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