Tauberbischofsheim. Die badischen Bürgerwehren haben einen neuen Landeskommandanten. Hans-Joachim Böhm von der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe Villingen trat am gestrigen Sonntag bei der Kommandantentagung im Tauberbischofsheimer Olympiastützpunkt die Nachfolge von Bernhard Lehmann von der Freiwilligen Bürgerwehr Zell am Harmersbach an. Lehmann hatte den Landesverband der Bürgerwehren und Milizen Baden-Südhessen acht Jahre geleitet. Das jüngste Mitglied des Verbandes, die Stadtgarde Tauberbischofsheim, hat diese Kommandantentagung - die erste in Nordbaden - gestern ausgerichtet. Seit 2008 gehört die Garde dem Landesverband an.
Grußworte sprachen Bürgermeister Wolfgang Vockel, MdB Nina Warken und MdL Prof. Dr. Wolfgang Reinhart.
"Bei uns ist immer etwas geboten"
Eine Kommandantentagung läuft wie eine Jahreshauptversammlung ab, mit Regularien, Rückblicken, Entlastungen, Wahlen und natürlich einer Vorschau. "Bei uns ist immer etwas geboten", sagten Hans-Joachim Böhm und Bernhard Lehmann danach in einer Pressekonferenz. Neben den Wahlen stand das Landestreffen 2015 in Ettlingen im Mittelpunkt.
Am Vorabend eines Landestreffens, erläuterten die Beiden, findet immer ein Großer Zapfenstreich statt - eine Zeremonie, die außer der Bundeswehr nur den Bürgerwehren und Milizen vorbehalten ist.
Auf der Klausurtagung im November in Haslach hatten die Kommandanten beschlossen, Frauen in Uniform auf dem Pferd - also Kavalleristinnen oder Dragonerinnen - bei den Bürgerwehren und Milizen zuzulassen. Außerdem sind auch Frauen in Uniform an der Waffe möglich. Gestern legte man fest, dass Frauen in Uniform an der Waffe jedoch nicht direkt im Aufmarsch zu einem Großen Zapfenstreich stehen dürfen.
Landeskommandant kann übrigens nur werden, wer amtierender Kommandant ist, auch das stellten Hans-Joachim Böhm und Bernhard Lehmann in der Pressekonferenz klar.
Die Tradition aufrecht erhalten
Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Ehren-Landeskommandant Rudolf Heß: "Neue Mitglieder zu finden, ist in den Städten schwieriger als in Gemeinden." Wie seine "Kollegen" auch will er "die Tradition aufrecht erhalten und für nachfolgende Generationen weiter pflegen". Und der neue Landeskommandant sagte: "Wir halten die Erinnerung daran wach, wie eine Stadt einst verteidigt wurde." Er betonte: "Wir sind keine Ewiggestrigen. Wer seine Herkunft nicht kennt, hat keine Zukunft." Alois Krafczyk pflichtete ihm bei: "Wir sind dazu da, in Zeiten des Werteverfalls den Werteerhalt zu unterstützen".
Die Bürgerwehren, so meinte er, bereicherten außerdem mit ihren schmucken Uniformen auch heute noch viele Festtage.
Nicht nur Alois Krafzcyk, erklärter Freund des Taubertals, hat dieses Jahr übrigens noch einmal einen schönen Grund, nach Tauberbischofsheim zu reisen: Am 27. September feiert die junge Stadtgarde nämlich ihren zehnten Geburtstag. sk
© Fränkische Nachrichten, Montag, 24.03.2014

